Verfütterung von verarbeiteten tierischen Eiweissen

In der EU dürfen seit Herbst 2021 nach über 20 Jahren Verbot wieder Schlachtnebenprodukte an Hühner und Schweine verfüttert werden. Dieser sinnvolle Schritt schliesst Nährstoffkreisläufe und schont die Umwelt. Die Verfütterung von tierischen Eiweissen an Wiederkäuer bleibt verboten. Die Schweiz will jetzt nachziehen.

Upcycling im heimischen Futtertrog

Die Aufnahme von tierischen Eiweissen entspricht dem natürlichen Verhalten von Huhn und Schwein. Diese Allesfresser mit tierischen Eiweissen zu füttern, unterstützt die Nutzung einheimischer Ressourcen und schliesst Nährstoffkreise. Aus unbedenklichen Schlachtnebenprodukten gewonnene Proteine  ersetzen so Importe von Futtermitteln wie Soja. Es dürfen dabei keine tierischen Eiweisse an dieselbe Tierart verfüttert werden.

Die wichtigsten Argumente
1. Safety First


Der Bundesrat verbot im Jahr 2000 das Verfüttern von Tiermehl. Rinder starben an BSE (Bovine spongiformer Enzephalopathie). Der Grund für den «Rinderwahn» war: Ins Futter von Wiederkäuern gelangte verunreinigtes Tiermehl. Das Verfüttern von tierischen Eiweissen an die vegetarischen Wiederkäuer bleibt daher gänzlich und dauerhaft verboten. Es dürfen generell keine Schlachtnebenprodukte von Wiederkäuern zu Futtermittel verarbeitet werden.

Es macht Sinn, die Allesfresser Huhn und Schwein mit Fleisch- und Knochenmehl aus unbedenklichen, für den menschlichen Konsum eigentlich zugelassenen Schlachtnebenprodukten zu versorgen. Im Interesse von Konsumenten und Landwirtschaft muss die Warenflusstrennung strikt sein. Sicherheit hat Vorrang und oberste Priorität. Die Schweizer Marktakteure in der tierischen Produktion sind auch nach der Zulassung durch den Bund frei im Entscheid, ob sie tierische Eiweisse einsetzen wollen.


 

2. Nährstoff-Kreisläufe schliessen


Schlachtnebenprodukte in der Fütterung helfen das inländische Proteindefizit zu reduzieren. 25'000 Tonnen oder rund 10 Prozent an Futter-Soja-Importen pro Jahr können eingespart werden. Das entlastet die Umwelt: Transportwege werden kürzer. Es macht Sinn, hochwertige einheimische Proteine als Futtermittel zu nutzen, statt sie in Biogasanlagen zu geben oder durch Verbrennung zu entsorgen, wie dies heute der Fall ist.


 

3. Einheimische Phosphorquelle nutzen


Phosphor ist ein wichtiger Pflanzendünger, aber auch eine endliche Ressource. Der Einsatz von tierischen Nebenprodukten ist eine Phosphorquelle in der Schweine- und Geflügelfütterung. So können 10-30 Prozent der Futterphosphorimporte ersetzt werden. Das entlastet Gewässer und Böden. Die Schweizer Landwirtschaft kann den vom Bundesrat beschlossenen Absenkpfad für Nährstoffverluste besser erfüllen. Das ist gut für unsere Böden und unsere Seen.


 

4. Klima schonen


Die gute Proteinverdaulichkeit und der vergleichsweise hohe Anteil an essenziellen Aminosäuren von verarbeiteten Schlachtnebenprodukten verbessert die CO2-Bilanz der Schweizer Fleisch- und Eierproduktion. Die Umweltbelastung durch die Nutztierhaltung verringert sich.


 

Auf einen Blick


Nebenprodukte aus der Schlachtung von Hühnern und Schweinen kommen aus sicheren Prozessen: Es sind diese Wertstoffe aus unbedenklichen, rückverfolgbaren und für den menschlichen Konsum eigentlich zugelassenen Reststücken, die nun wieder zu Nutztierfutter verarbeitet werden dürfen. Die Wiederzulassung von Tiermehl in der Fütterung der Allesfresser Huhn und Schwein ist ein sicherer, ökologisch sinnvoller Schritt. Tiere der Rindergattung bleiben ausgeschlossen.


 

Auskunftspersonen


Link zu weiteren Infos: Faktenblatt der "Nutztiergesundheit Schweiz"
Link zu Vernehmlassungsungsunterlagen VTNP

Link zu Dokumente Mediengespräch 9. Oktober 2023